Dienstag, 28. Juni 2016

Finanzierung von Elektromobilität 

Mit der Entwicklung neuer Batterietechnologien ist es gelungen E-Mobilität zukunftsfähig zu machen. Lithium Ionen Akkus haben eine Energiedichte die es uns ermöglicht mit Elektroautos auch mehrere Hundert Kilometer weit zu fahren. Der Durchbruch ins elektromobile Zeitalter scheint nun möglich zu sein. Alle Automobil- Hersteller haben sich dafür ausgesprochen, dass das Auto in Zukunft elektrisch fährt.
Die Bundesregierung möchte, dass bis 2020 ca. 1 Million Elektro- Fahrzeuge auf deutschen Straßen fahren. Hierzu zählen auch Hybridfahrzeuge, die neben dem Verbrennungsmotor einen Elektromotor zur Antriebsunterstützung verwenden. Hybridfahrzeuge lassen sich mit erheblich minimierten Verbrauchswerten betreiben ohne Einbußen in der Reichweite oder den Fahrkomfort zu haben. Doch bis E-Mobilität im Straßenverkehr merklich Einzug gefunden hat, werden noch viele Jahre vergehen.
Obwohl das Interesse an Elektrofahrzeugen enorm ist, wird es in absehbarer Zeit nicht möglich sein diese auch kostengünstig und in großer Stückzahl zur Verfügung zu stellen. Denn nur hohe Produktionszahlen machen Elektrofahrzeuge auch wirtschaftlich rentabel. Diese können aber nur erreicht werden, wenn Elektrofahrzeuge auch preislich interessant sind.
Mit Hilfe eines nachrüstbaren Hybridantriebes ließe sich kurzfristig diese Lücke schließen und eine günstigere emissionsärmere Alternative zur Verfügung stellen.
Mitverantwortlich für den jetzigen, hohen Anschaffungspreis und die schleppende Einführung dieser neuer Technologien sind im Wesentlichen die hohen Batteriekosten. Mit 10000 Euro und mehr schlägt allein der Batteriesatz in einem E-Fahrzeug zu Buche.
Hier gilt es gemeinsam neue Konzepte zu entwickeln, um Interessenten beim Kauf eines E-Fahrzeugs zu unterstützen.
Leider hat die Bundesregierung mit der Zusage einer staatlicher Unterstützung, wie sie heute schon z.B. in Frankreich und anderen Nachbarländern praktiziert wird, zulange gezögert Dort erhält der Käufer eines E- oder Hybridfahrzeugs bereits seit einigen Jahren bis zu 7000 Euro Zuschuss. Die jetzige  Situation läßt viele Interessierte weiterhin zögern und vom Kauf eines E-Fahrzeugs bis auf weiteres aus Kostengründen absehen.
Ein weiterer Lösungsansatz für dieses Problem wäre, wenn die Batterien des Elektroautos in Besitz des Energieversorgungsunternehmens wären. Diese könnten dann, über die gesamte Lebensdauer der Batterie, von dem Fahrzeugbesitzer durch den Stromverbrauch refinanziert werden.
Der Batterienutzer (Elektroautofahrer) könnte sich dann langfristig an seinen Stromlieferanten binden und über einen festgelegten kWh-Preis und eine Mindestabnahmemenge für eine garantierte, kontinuierliche Kapitalrückführung sorgen. Eine ähnliche Entwicklung kennen wir bereits aus der Telekommunikation. Handys haben bei der Markteinführung noch sehr viel Geld gekostet. Heute bekommt man Sie für 1 Euro. Refinanziert werden diese über eine vertraglich festgelegte Mindestlaufzeit zu einem festgelegten Gesprächstarif.
Mobilität wird auch in Zukunft seinen Preis haben.
Wenn wir heute an der Zapfsäule tanken, vergleichen wir genau die Preise bevor wir uns für eine Tankstelle entscheiden, denn einmal Volltanken tut mitunter sehr weh. Aber in Zukunft wird auch die kWh Strom nicht mehr 20 Cent kosten sondern vielleicht sogar 1 Euro.
Bei einem angenommenen Verbrauch von 20 kWh pro Hundert Kilometer wird E-Mobilität sicher nicht kostengünstiger werden als der Kraftstoff, den wir heute für unsere Verbrennungsfahrzeuge bezahlen.
Die Tankstellen der Zukunft aber werden die Energieversorgungsunternehmen sein. Diese könnten durch ein solches Batteriefinanzierungsmodell Kunden langfristig an sich binden und Gewinne generieren.
Die Batterie ist im Grunde genommen die Verpackung für den Strom.
Der Kunde will Strom kaufen. Die Kosten für den Strom sind dabei noch relativ moderat. Die Verpackung jedoch, ist unverhältnismäßig hoch und wird zurzeit allein Ihm in Rechnung gestellt. Hätte zu Beginn des Automobilen Zeitalters der Tank für den Kraftstoff allein schon Kosten in vergleichbarer Höhe verursacht, hätte sich das Auto so wie wir es kennen vielleicht nie durchgesetzt.
Das vorgeschlagene Konzept kommt hier dem Käufer eines Elektro- oder Hybridfahrzeugs entgegen, indem es die Anschaffungskosten minimiert und über die Nutzung des Fahrzeugs über längere Zeit verteilt. Aber auch die Energieversorger profitieren von dieser Lösung.
Durch den raschen Ausbau der regenerativen Energiequellen Wind und Sonne ist in Zukunft mit erhöhten Schwierigkeiten bei der Abnahme der Energie während Starkwindphasen mangels vorhandener Pufferspeicher zu rechnen. Mehrmals viel der an der Börse gehandelte Strom in der letzten Zeit in einen Minusbereich, d.h. durch den massiv vorhandenen Stromüberschuss und der Tatsache das sich die Großkraftwerke nicht kurzfristig runterfahren lassen wurden Stromabnehmer für die Abnahme von Energie vergütet. Über die Nutzung der in E-Fahrzeugen vorhandenen Energiespeicher könnten die Energieversorgungsunternehmen in Zukunft solche Hochenergiephasen besser ausnutzen, um auch hier Gewinne zu erzielen. (Smart Grid). Wenn die E-Fahrzeug Batterie dem EVU gehören würde, ließe sich ein solcher Überschuß wirtschaftlich besser verwerten.
Ein weiterer Gewinner in dieser Konstellation wäre der Automobilhersteller. Er könnte dem Kunden ein preislich interessantes Produkt anbieten und somit rasch die notwendigen hohen Produktionszahlen erreichen. Dies sorgt wiederum für geringere Produktionskosten bei dem Batteriehersteller und eine weiterhin gesicherte Abnahme in hoher Stückzahl zu festen, kalkulierbaren Lieferbedingungen.
Letztendlich kommt es zu einer Win-Win Situation bei der alle, auch die Umwelt, davon profitieren können.
Solche Konzepte sind sicher nur eine Möglichkeit, Elektromobilität in den nächsten Jahren erfolgversprechend voran zu bringen und den technologischen Rückstand gegenüber Asien zu kompensieren. Jedoch ohne eine nachhaltige politische Unterstützung werden sich diese nicht umsetzen lassen .
Über eines sollte man sich jedoch im Klaren sein. Emobilität ist nur sinnvoll, wenn der Strom auch aus regenerativen Quellen kommt. Konzepte die die Einführung von Hybrid –und Elektrofahrzeugen mit der notwendigen Kopplung an regenerative Energiequellen zwingend begleiten, fehlen bei den Automobilherstellern jedoch fast völlig. So ist zu befürchten, dass dadurch das elektroautomobile Zeitalter letztendlich doch auf Kosten der Umwelt gehen wird.

Der Sportservice Lorinser GmbH entwickelte einen nachrüstbaren Radmotor der in kleine Stadtfahrzeuge, wie den Smart fortwo, den Renault Clio, den Fiat 500, VW Polo und vielen anderen nachträglich eingebaut werden konnte, um so die CO2 Emissionen und den Kraftstoffverbrauch erheblich zu reduzieren.
Mit dieser Entwicklung sollte die vorhandene Lücke geschlossen werden und Elektromoibilität kurzfristig vielen Interessierten zur Verfügung gestellt werden.
Im November 2010 hat der Prototyp Easybrid die Funktionalität und Machbarkeit des Systems unter Beweis gestellt.
Das Projekt wurde jedoch kurz danach, trotz großer Nachfrage, von der Geschäftleitung eingestellt. Alle Patente wurden später aufgegeben und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
Martin Oberdörfer-Schmidt    www.e-car-tech.de

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